Dienstag, 12. September 2017

02. September 2017 16:00 Uhr

Illertissen

Bleibt der Apfelteller heuer leer?

Die Ernte fällt mau aus. In den Mostereien stellt man sich auf wenig Arbeit ein. Auf dem Illertisser Wochenmarkt kann eine Händlerin dieses Jahr wohl gar keine Äpfel anbieten

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Die Obstbauern am Bodensee beklagen horrende Ernteeinbußen. Auch die Apfelbäume in der Region tragen nicht viele Früchte.
Foto: Franziska Wolfinger

Herbstzeit ist Apfelzeit. In manchen Jahren wissen Obstbaumbesitzer gar nicht, wohin mit den süßen, manchmal auch etwas sauren Früchten. Eine beliebte Verarbeitungsform ist das Saft pressen. Doch dieses Jahr sind Bäume, deren Äste sich unter der Last der reifen Äpfel in Richtung Boden biegen, ein seltener Anblick. Weil es schon im März milde Temperaturen gab, begann bei vielen Obstbäumen die Blüte schon sehr früh. Frost im April führte dazu, dass die empfindlichen Blüten zum Teil erfroren sind. Auch Unwetter im Sommer haben den Früchten zugesetzt.

Anton Roth, dessen Familie in Oberroth eine Mosterei besitzt, blickt wenig optimistisch auf die gerade beginnende Apfelsaison. Er sagt: „Auf unseren eigenen Bäumen gibt es heuer so gut wie kein Obst. Das ist alles erfroren.“ Sollte die Ernte bei allen Apfelbaumbesitzern so schlecht ausfallen und gar keine Kunden kommen, könne es unter Umständen sogar sein, dass die Mosterei heuer zu bleiben muss, befürchtet Roth. Für gewöhnlich öffnet die Mosterei Mitte September. Bis zum 1. November haben die Saft-Liebhaber dann Zeit, ihr Obst dort verarbeiten zu lassen.

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Etwas optimistischer ist Christian Dreier aus Unterroth. Er betreibt seit 2013 eine mobile Saftpresse, mit der er auf jeden Fall auch in diesem Jahr in Unterroth und Umgebung unterwegs sein wird. Der genaue Terminplan richte sich nach den Kundenanfragen, sagt er. Wie viele Leute heuer dann tatsächlich kommen werden, könne er noch nicht genau abschätzen. Auch wer nur wenige Äpfel mitbringt, sei willkommen, sagt Dreier. Seine eigenen Bäume tragen allerdings deutlich weniger Früchte als im Vorjahr. „Wir hatten schon Jahre, in denen es generell wenig Obst gab, auf manchen Bäumen aber dennoch viele Äpfel gewachsen sind“, sagt Dreier. Das komme ganz auf den Standort des Obstbaums an.

Nicht nur Hobbygärtner, die heuer auf Äpfel aus dem eignen Garten verzichten müssen, sind von der schwachen Ernte betroffen. Cilli Bischoff, die auf dem Illertisser Wochenmarkt nur Produkte vom eigenen Hof in Bibertal verkauft, wird diesen Herbst gar keine Äpfel anbieten können – obwohl die Nachfrage der Kunden hoch sei. „Die paar, die wir ernten können, eignen sich nur noch zum Versaften“, sagt sie.

Theresa Wager ist die Juniorchefin der Firma Gartenbau Wager. Sie verkauft Obst und Gemüse auf dem Illertisser Wochenmarkt. Äpfel hat sie natürlich auch im Angebot. Sie bezieht die Früchte aus der Bodenseeregion. Mit ihrem Lieferanten steht Wager in engem Kontakt. Von bis zu 60 Prozent Ernteausfall bei den Äpfel habe der Obstbauer gesprochen, sagt sie. Die Apfelpreise werden wohl für sie als Verkäuferin und auch für ihre Kunden steigen.

Höhere Preise seien in dieser Situation aber gerechtfertigt, findet die Juniorchefin. Vor allem die Obstbauern, die es mit viel Mehrarbeit, zum Beispiel durch Abdecken der Bäume, geschafft haben, ihre Ernteeinbußen geringer zu halten, hätten sich das Geld verdient. Kommendes Jahr wird Wager an ihrem Stand nicht so lange heimische Äpfel anbieten können, wie sonst.

Christian Dreier war ebenfalls schon in Kontakt mit den Händlern am Bodensee. Er stellt in seiner mobilen Presse Saft aus den Äpfeln der Obstbauern zum Verkauf in verschiedenen Supermärkten in der Region her. Auch er hat erfahren, dass zumindest das Angebot bei Mostobst nicht so schlecht ist, wie bei den Äpfeln, die zum Verzehr angeboten werden. Durch Unwetter und Hagel hätten viele Äpfel Druckstellen oder andere Makel bekommen. „Das Obst ist an sich in Ordnung, aber einfach nicht mehr für den Verkauf geeignet“, sagt Dreier. In seiner Saftpresse könne er es aber gut verarbeiten.

In fünf Arbeitsschritten werden Äpfel in haltbaren Saft verwandelt. Als Erstes wird das Obst gewaschen und faule Früchte aussortiert. Im zweiten Schritt ist das Zerkleinern an der Reihe. Erst die so entstandene Maische kommt in die Presse. Um den frischen Fruchtsaft länger haltbar zu machen, wird er erhitzt und heiß abgefüllt. Ob bei der mobilen Obstpresse von Christian Dreier oder bei der Mosterei Roth: Kunden, die ihre Äpfel vorbeibringen, nehmen am Ende den Saft mit, der aus ihrem Obst gemacht wurde.

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Ein Artikel von
Franziska Wolfinger

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin

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